6,2 Milliarden Franken Umsatz erwirtschaftete das Bauhauptgewerbe im zweiten Quartal 2026 (+1,3 Prozent). Im gesamten ersten Halbjahr stieg die Bautätigkeit um 3,1 Prozent, während die Aufträge um 1,6 Prozent zunahmen. Dabei eilt der Hochbau dem Tiefbau davon. Vor allem der Wohnungsbau und der öffentliche Hochbau haben im Erstsemester ein Wachstum von über 5 Prozent erreicht, der Tiefbau ist hingegen um 2 Prozent zurückgegangen.
Wohnbauprojekte immer länger blockiert
Die Neuaufträge sowie die Bautätigkeit im Wohnungsbau haben zugenommen, aber der Auftragsbestand wuchs noch stärker. In den 2000er-Jahren entsprach der Arbeitsvorrat ungefähr fünf Monaten der damaligen Bautätigkeit. Seit 2020 beträgt das Verhältnis etwa acht Monate. Diese Entwicklung ist insofern erfreulich, als Bauunternehmen damit länger ausgelastet sind. Ein größerer Auftragsbestand bedeutet aber auch, dass heute deutlich mehr Zeit zwischen Auftragserteilung und Fertigstellung vergeht als früher.
Es dauert erheblich länger, Wohngebäude zu errichten. Ursachen sind insbesondere Einsprachen und Rekurse, aufwendigere Planungs- und Bewilligungsverfahren und komplexe Verdichtungsprojekte. Daher eignet sich der Arbeitsvorrat nicht als Frühindikator für den Wohnungsbau. Stattdessen lässt sich der Auftragseingang verwenden. Als Daumenregel gilt: Eine Milliarde Franken realer Auftragseingang entspricht rund 6.000 neu erstellten Wohnungen im Folgejahr. Mit einem Auftragseingang von rund 8 Milliarden Franken im Jahr 2025 ergibt sich daraus für 2026 eine Größenordnung von rund 48.000 neuen Wohnungen. Damit kommt das Angebot endlich nahe an die Nachfrage heran.
Der Zenit an Neuaufträgen dürfte aber vorerst erreicht sein: Im ersten Halbjahr 2026 wurden so viele neue Aufträge im Wohnungsbau vergeben wie in der Vorjahresperiode. Da die Wohnbaugesuche 2025 schwächelten, sollten die Aufträge im restlichen Jahr tendenziell abnehmen. In der Folge werden 2027 weniger Wohnungen errichtet als 2026.
Trotz erfreulichem Arbeitsvorrat nimmt Tiefbau nicht an Fahrt auf
Im Tiefbau hat sich der Arbeitsvorrat in den letzten Quartalen graduell auf erfreuliche 8 Milliarden Franken gesteigert. Die Zunahme ist beispielsweise mehreren Projekten im Untertagbau zu verdanken. Aber der hohe Arbeitsvorrat hat sich bislang nicht in einer höheren Bautätigkeit niedergeschlagen, sie stagniert seit mehreren Quartalen. Einsprachen und lange Verfahren verzögern die Projekte. Im Bahnbau müsste eigentlich wesentlich mehr Unterhalt geleistet werden, aber die begrenzten personellen sowie finanziellen Ressourcen in der gesamten Wertschöpfungskette und der laufende Bahnbetrieb schränken zu stark ein. An National- und großen Kantonsstrassen wird zwar gebaut, aber der Preisdruck ist hoch. Insbesondere die gestiegenen Materialkosten, etwa für Bitumen, stellen alle Beteiligten vor Herausforderungen.
Verkehr '45 kann Schub auslösen
Bis am 9. Oktober 2026 läuft die Vernehmlassung zu "Verkehr '45", also den nächsten großen Ausbauschritten bei Schiene und Straße sowie in den Agglomerationen. Möglicherweise befindet sich der Tiefbau in einer gewissen Lauerstellung, bis der politische Prozess weiter fortgeschritten ist. Der SBV begrüßt, dass alle drei Verkehrsträger erstmals gemeinsam koordiniert und geplant werden. Sie sollten dementsprechend gemeinsam im Parlament behandelt und vom Volk an der Urne beurteilt werden. Eine zumindest temporär begrenzte Beibehaltung der Mehrwertsteuerpromille für den BIF erscheint dem SBV sinnvoll. Da die Straße mit rund 75 Prozent der Personenkilometer einen sehr hohen Anteil der Verkehrsleistung trägt, sollten im Nationalstraßen- Ausbauschritt 2027 des Gesamtpakets Verkehr '45 mehr als nur die bislang zwei geplanten Nationalstraßenprojekte in Angriff genommen werden.
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