Der indirekte Gegenvorschlag zur Inklusionsinitiative bezieht sich ausschliesslich auf Menschen, die eine Leistung der Invalidenversicherung beziehen - und schließt somit drei Viertel der Menschen mit Behinderungen in der Schweiz aus. Gerade für Betroffene einer Hirnverletzung ist diese Einschränkung nicht zielführend, weil viele von ihnen die Kriterien für eine Invalidenrente nicht erfüllen. Zudem beschränkt sich der Gegenvorschlag auf das Thema Wohnen - nur einer von vielen Bereichen, in denen Maßnahmen nötig sind, um die tatsächliche Inklusion von Betroffenen zu fördern.
FRAGILE Suisse, die schweizerische Patientenorganisation für Menschen mit Hirnverletzung und Angehörige, vertritt die Ansicht, dass ein inklusives Rahmengesetz für alle Menschen mit Behinderungen gelten und konkrete Maßnahmen nicht nur für das Wohnen, sondern auch für Arbeit, Freizeit und gesellschaftliche Teilhabe vorsehen muss. Zudem muss es auch unsichtbare Beeinträchtigungen berücksichtigen. Menschen mit Hirnverletzung benötigen Assistenz, Hilfsmittel, Beratung und flexible Unterstützung jenseits der Invaliditätsdefinition.
Aus diesem Grund fordert FRAGILE Suisse in ihrer Vernehmlassungsantwort unter anderem klare und vielfältige Maßnahmen für alle Lebensbereiche, insbesondere für die Arbeitswelt, einen breiteren Zugang zu Assistenzbeitrag und Hilfsmitteln sowie die Anerkennung von Patienten- und Angehörigenorganisationen.
Gabriela Riemer-Kafka, emeritierte Professorin für Sozialversicherungs- und Arbeitsrecht sowie Mitglied im Vorstand von FRAGILE Suisse, sagt:
"Teilhabe bedeutet für Menschen mit auch unsichtbaren Behinderungen, das private, berufliche und soziale Leben mit anderen Menschen zu teilen und dabei durch alle erforderlichen Maßnahmen unterstützt zu werden."
Die vollständige Vernehmlassungsantwort von FRAGILE Suisse finden Sie hier.
Elisabeth Tribaldos, Präsidentin von FRAGILE Suisse, und Gabriela Riemer-Kafka haben in der NZZ Am Sonntag einen Standpunkt veröffentlicht.
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