Die Schweiz bleibt eines der Schlusslichter Europas bei der Tabakprävention

21.05.2026 | von Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz

Uhr Lesezeit: 4 Minuten


Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz


21.05.2026, Bern - Laut dem neuen europäischen Bericht Tobacco Control Scale 2025 belegt die Schweiz erneut den vorletzten Platz unter 37 europäischen Ländern im Bereich der Tabakprävention. Der Bericht weist auf erhebliche Defizite der Schweiz hin - insbesondere beim Werbeverbot, beim Schutz vor Einflussnahme der Tabakindustrie, bei der Regulierung neuer Nikotinprodukte sowie im Bereich der Prävention. Zudem bleibt die Schweiz das einzige bewertete Land, das das WHO- Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (FCTC) weiterhin nicht ratifiziert hat.


Die Einschätzung der Autorinnen und Autoren des Berichts fällt deutlich aus. Die Schweiz wird als bevorzugter Standort der internationalen Tabakindustrie beschrieben und belegt zudem den vorletzten Platz im weltweiten Ranking zur Einflussnahme der Tabakindustrie auf die öffentliche Gesundheitspolitik. Trotz einzelner jüngerer Gesetzesanpassungen kommen die Autorinnen und Autoren zum Schluss, dass die Schweiz weiterhin Gesetze mit "erheblichen Schlupflöchern" und Ausnahmen verabschiedet, die direkt den Herstellern von Tabak- und Nikotinprodukten zugutekommen.

Die drei bestplatzierten Länder im Ranking sind Irland, das Vereinigte Königreich und die Niederlande. Nur Bosnien und Herzegowina liegt hinter der Schweiz.

Für AT Schweiz bestätigt dieses Resultat eine besorgniserregende Situation: Während viele europäische Länder ihre gesundheitspolitischen Maßnahmen stärken, häufen sich in der Schweiz die regulatorischen Verzögerungen und Ausnahmeregelungen zugunsten der Tabak- und Nikotinindustrie.

Hohe Preise bleiben die wirksamste Maßnahme

Der europäische Bericht erinnert mit Nachdruck daran, dass höhere Steuern und höhere Tabakpreise die wirksamste Maßnahme zur Senkung des Konsums darstellen - insbesondere bei Jugendlichen.

Die Länder mit den größten Fortschritten im Ranking gehören auch zu jenen, die die Tabakpreise stark erhöht haben. Belgien beispielsweise erhöhte den Preis einer Packung Marlboro zwischen 2020 und 2024 von rund 6,80 Euro auf 11,50 Euro. Auch die Niederlande gehören zu den Ländern, die ihre Steuer- und Preispolitik für Tabakprodukte in den letzten Jahren am stärksten verschärft haben.

Im Gegensatz dazu hat die Schweiz die Besteuerung von Zigaretten seit 2013 nicht mehr erhöht. Während viele Länder Tabaksteuererhöhungen aktiv als zentrales Instrument der öffentlichen Gesundheit einsetzen, bleibt die Schweiz weitgehend inaktiv und folgt nicht dem Tempo der fortschrittlichen Länder in der Tabakprävention.

Tabakprodukte zum Erhitzen: ein großer Rückstand der Schweiz

Der Bericht kritisiert zudem den Rückstand der Schweiz bei Tabakprodukten zum Erhitzen, die im öffentlichen Raum stark sichtbar sind. Die Autorinnen und Autoren erinnern daran, dass die WHO diese Produkte als Tabakprodukte betrachtet, die wie herkömmliche Zigaretten reguliert werden sollten - insbesondere hinsichtlich Werbung, Besteuerung, Gesundheitswarnungen und Schutz vor Passivrauchen.

Eine Werbegesetzgebung voller Schlupflöcher

Der Bericht kritisiert das Fehlen eines umfassenden Werbeverbots für Tabak- und Nikotinprodukte. Während mehrere europäische Länder Plakatwerbung, Werbung am Verkaufsort oder sichtbare Produktpräsentationen in Geschäften verboten haben, ermöglicht die Schweizer Gesetzgebung weiterhin groß angelegte Werbekampagnen - insbesondere für Tabakprodukte zum Erhitzen und Nikotinprodukte.

Der Bericht erwähnt ausdrücklich große Werbeplakate auf Privatgrundstücken, etwa in Einkaufszentren oder Tiefgaragen, und bezeichnet diese Situation als "massives Schlupfloch" der Schweizer Gesetzgebung.

Im Gegensatz dazu zeigen mehrere europäische Länder, dass eine langjährige kohärente Politik konkrete Resultate erzielt. Irland, das europaweit den ersten Platz belegt, kombiniert hohe Tabakpreise, strenge Werbeverbote und eine konsequente Regulierung neuer Nikotinprodukte. Die Niederlande haben dank einer Mehrjahresstrategie mit Preiserhöhungen, verschärfter Werbebeschränkungen und einer Reduktion der Verkaufsstellen, große Fortschritte erzielt. Belgien ist ebenfalls in die Spitzengruppe aufgestiegen, nachdem die Preise deutlich erhöht und die Einschränkungen bei Werbung und Sichtbarkeit von Tabakprodukten verschärft wurden.

Eine Warnung, die die Schweiz nicht länger ignorieren kann

Für AT Schweiz stellt dieses Ranking ein deutliches politisches Warnsignal dar. Eine glaubwürdige Gesundheitspolitik erfordert nun entschlossene Maßnahmen: ein umfassendes Werbeverbot, eine strikte Regulierung neuer Nikotinprodukte, eine deutliche Erhöhung der Tabakpreise, einen massiven Ausbau der Prävention sowie die sofortige Ratifikation des WHO- Rahmenübereinkommens zur Eindämmung des Tabakgebrauchs.

Referenz des Berichts: Joossens L., Abbink H., Roman E. The Tobacco Control Scale 2025 in Europe. Smoke Free Partnership, Brüssel, 2026.

Download des Berichts: Der Bericht wird auf der offiziellen Website der Tobacco Control Scale verfügbar sein: http://www.tobaccocontrolscale.org

Medienkontakt (Interviews und weitere Informationen):
Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz (AT Schweiz)
Wolfgang Kweitel
Tel. +41 31 599 10 20
wolfgang.kweitel@at-schweiz.ch

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Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz

Als Dachorganisation zur Förderung des Nichtrauchens in der Schweiz wurde die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz AT 1973 gegründet.

Heute umfasst der Verein über 50 Kollektivmitglieder: nationale und kantonale Gesundheitsligen (z.B. die Lungenliga Schweiz, die Krebsliga Zürich), Organisationen aus dem öffentlichen und privaten Gesundheitswesen sowie Kantone und Versicherungen.

Zugleich ist die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz eine Fachorganisation. Diese Doppelfunktion ermöglicht die Koordination der vielfältigen Aktivitäten der Mitglieder in der Förderung des Nichtrauchens.

Hinweis: Der Über-uns-Text stammt aus öffentlichen Quellen oder aus dem Firmenporträt auf HELP.ch.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz, Pressemitteilung

Originalartikel publiziert auf: Die Schweiz bleibt eines der Schlusslichter Europas bei der Tabakprävention